von Erhard Kretschmann, Superintendent im Ruhestand


Als Superintendent hatte ich regelmäßig Gespräche mit staatlichen Stellen. Sie versuchten, dadurch Einfluss auf die Kirchengemeinden und oppositionelle Menschen zu nehmen. So versuchte Herr Kart von der Abteilung Innere Ordnung einmal, mich dazu zu bewegen, einen unserer Pfarrer von seinem Ausreiseantrag abzubringen. Ich konnte nur antworten: "Wie kommen Sie dazu? Jeder hat das Recht, einen solchen Antrag zu stellen."

In Marisfeld war die Einrichtung einer Mülldeponie geplant. Aus diesem Anlass sollte ein Gottesdienst an diesem Ort gefeiert werden. Wir haben stundenlang mit dem Rat des Kreises verhandelt und darauf bestanden, dass wir das Recht hatten, einen Gottesdienst zu feiern. Als wir den Gottesdienst dann feierten, wurden wir von den Kampfgruppen aus der Umgebung bewacht und von einem Hubschrauber in der Luft umkreist.

Es waren harte Gespräche, bei denen wir in vielen Dingen nicht überein kamen.

Am 24.10.1989 waren alle Superintendenten des Bezirkes beim Vorsitzenden des Rates des Bezirkes, Herrn Zimmermann, eingeladen. Am Rande sagte er zu mir, dass wir von der Kirche darauf achten sollten, dass es keine Revolte gibt. Ich habe geantwortet, dass von der Kirche keine Gewalt ausgeht und dass wir hoffen, dass auch vom Staat keine Gewalt kommt. Das war zwei Wochen nach der großen Demonstration am 9.10.1989 in Leipzig und zwei Wochen vor der Grenzöffnung am 9.11.!

 

Greifbares: Richtlinien des Rates der Stadt Suhl zu Gesprächen mit Kirchenvertretern vom 1.9.1989

zur Verfügung gestellt von der Evangelischen Superintendentur Suhl


Maßnahmen zur planmäßigen polit-ideologischen Arbeit mit kirchlichen Amtsträgern, Mitgliedern kirchlicher Räte sowie Vertretern der Religionsgemeinschaften

II. Ziel und Inhalt der staatspolitischen Arbeit in Kirchenfragen

1. Die Verwirklichung der Staatspolitik in Kirchenfragen hat nach dem Prinzip der strikten Trennung von Staat und Kirche zu erfolgen. Die Anstrengungen sind darauf zu richten, bei den kirchlichen Amtsträgern und Leitern der Religionsgemeinschaften das Verständnis für die politischen Fragen und Probleme unserer Zeit weiter auszuprägen und zu erreichen, daß sie sich in unserer sozialistischen Gesellschaft verantwortungsbewußt verhalten, offenkundig die humanistische Politik unseres Staates und besonders die Aktivitäten zur Entspannung, Abrüstung und Sicherung des Friedens unterstützen.

Dazu ist es erforderlich,

- die staatliche Kirchenpolitik stärker als Bestandteil der Gesamtpolitik unseres Staates zu verwirklichen.

- die gesellschaftlichen und staatlichen Interessen gegenüber den Kirchen und Religionsgemeinschaften auf der Grundlage und in Wahrung der sozialistischen Gesetzlichkeit umfassend zu gewährleisten, ...

2. Die politische Gesprächsführung ist darauf zu richten, bei den Vertretern der Kirche die Erkenntnis zu vertiefen, daß

- Sozialismus und Frieden eine Einheit bildet und nur der Sozialismus in der Lage ist, die Zukunftsprobleme der Menschheit zu lösen, ...

- die DDR als sozialistischer Rechtsstaat in ihrer 40-jährigen Geschichte die Menschenrechte verwirklicht und allen Bürgern, im Gegensatz zum Staatmonopolistischen System der BRD, ein Leben in Wohlstand, sozialer Sicherheit und Geborgenheit und Zukunftsgewißheit garantiert

III. Maßnahmen der Verwirklichung

... - alle Gespräche sind zu führen auf der Grundlage einer vorbereiteten Gesprächskonzeption, in der Ziel und Inhalt festgelegt sind.

- Die kirchliche Veranstaltungstätigkeit und ihre Wirksamkeit ist kritischer einzuschätzen und daraus die notwendigen Schlußfolgerungen für die staatliche Öffentlichkeitsarbeit festzulegen.

Events

Apr
13

13.04.2019 17:00 - 18:00

Mai
25

25.05.2019 18:00 - 19:00

Deprecated: Non-static method modJellySideMenuHelper::getStart() should not be called statically in /mnt/webs/d2/02/52102502/htdocs/kirchengemeinde-suhl/modules/mod_jelly_sidemenu/mod_jelly_sidemenu.php on line 94